Crimmitschauer Kirchen

und Kirchen der Umgebung

Andacht vom 01. Juli

„Glauben Sie nicht alles was im Internet steht - Albert Einstein (1879-1955)“.

Liebe Gemeindeglieder,

Dieser Satz wurde auf Facebook verbreitet und erhielt zahlreiche „Gefällt-mir“ - Klicks. Schade nur, das der gute Albert von einem Internet noch nichts wusste. Es war also eine „Fake News“, eine mutwillig gefälschte Nachricht. In diesem Fall eine von der harmlosen Sorte. Denn es gibt eben auch böse gefälschte Nachrichten, die im Internet verbreitet werden und nur Wut und Hass säen. Die sozialen Medien als asozialer Tummelplatz. Andererseits gibt uns gerade das Internet die Möglichkeit, unkorrekte Meldungen etablierter Medien zu hinterfragen. Dann etwa, wenn Nachrichtenmagazine oder Fernsehsender gegen den journalistischen Grundsatz verstoßen, in dem sie Nachricht und Meinung vermischen und dies auch noch „Haltungs-journalismus“ nennen. Zuverlässige Nachrichten sind die Grundlage für einen fairen Austausch und für eine funktionierende Demokratie. Die Medien sind Teil unseres Lebens. Ob sie uns zum Segen oder zum Fluch werden, das liegt auch an uns. Wir müssen nicht auf jede Nachricht reagieren und wenn, dann nicht sofort. Sondern zunächst sind Nachdenken und Nachprüfen dran. „Fake News“ gab es schon immer, nur werden sie heute rasanter verbreitet. Dabei ist es manchmal schon erschreckend, was in unserer angeblich so gebildeten Gesellschaft alles geglaubt wird. Der Glaube an Gott und die Worte der Bibel dagegen werden oft als „veraltet“ abgelehnt. Als Jesus vor 2000 Jahren in Israel unterwegs war, sagte er seinen Jüngern: „Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Ob diese gute Nachricht stimmt, das kann man ausprobieren, auch heute.

Andacht vom 12. Juni

"In herzlicher Liebe sollt ihr miteinander verbunden sein, und gegenseitige Achtung soll euer Zusammenleben bestimmen."

Liebe Gemeindeglieder,

„Schwere Arbeit – leichte Stoffe. Textilgeschichten aus Crimmitschau“ – so hieß ein Beitrag in der Sendereihe: „Der Osten – entdecke, wo du lebst!“ vom MDR, der unlängst im Fernsehen lief (jetzt noch in der Mediathek der ARD abrufbar). In anrührender Weise verbindet dieser liebevoll gemachte Film von Ulrich Liebeskind die Geschichte der Textilindustrie mit den Interviews von Zeitzeugen und Unternehmern, die noch heute in Crimmitschau Stoffe herstellen. Der freundliche Blick auf die Menschen,  ihr Leben und die Verbindung zu Garnen und Stoffen hob sich sehr wohltuend von anderen Berichterstattungen ab. Man konnte spüren, dass sich der Regisseur Mühe gemacht hat, den Menschen wirklich zuzuhören und sie zu verstehen. So entstand ein authentisches Bild auf Augenhöhe, das die Menschen ernst nimmt und schätzt.  Schön, wenn wir so miteinander reden und übereinander berichten. Leider ist diese Form des Umgangs nicht selbstverständlich. In vielen Medien und Sozialen Netzwerken prägen heute  oft Vorurteile und Einseitigkeit die Kommentare. Man vermisst die Fähigkeit, sich in andere hinein zu versetzen und ihre Erfahrungen und Ansichten zu achten. Nur der eigene Standpunkt wird engstirnig geltend gemacht. Das zerstört ein gutes Miteinander. Der Römerbrief trägt uns auf: "In herzlicher Liebe sollt ihr miteinander verbunden sein, und gegenseitige Achtung soll euer Zusammenleben bestimmen." (Römer 12,10). Das Wort Respekt kommt von dem lateinischen Wort für anschauen. Wer den anderen wertschätzend anschaut, hat nicht nur Respekt, sondern gibt etwas von der Liebe weiter, die Jesus verkündigt hat. Sie gilt allen Menschen gleich. Gott macht keine Unterschiede. Würde er einen Film über unser Leben machen, würde er nicht auf das Äußere sehen, sondern auf das Herz (1.Sam 16,4). Wir sollten es untereinander auch tun.

Andacht vom 8. April

Liebe Gemeindeglieder in Crimmitschau, Rudelswalde-Langenreinsdorf, Frankenhausen und Grünberg-Heyersdorf!

Wir sind unter ungewöhnlichen Umständen in diesem Jahr in der Vorbereitungszeit auf Ostern und in der Karwoche.

Mit diesem Brief erhalten sie eine Oster-Sonderausgabe der „Kirchlichen Nachrichten“. Diese Passionsandacht ist für die Karwoche gedacht.

In dieser Woche sehen wir auf die letzten Tage Jesu vor seinen Tod am Kreuz. Noch mit Jubel zog er am Palmsonntag in Jerusalem ein. Die Menschen begrüßten ihn mit Begeisterung, legten ihm Palmzweige und Kleider wie einen Teppich auf den Weg. Doch schon bald wurde es ernst und sie verstummten.

Jesus wurde beschuldigt sich anzumaßen Gottes Sohn zu sein, ein neuer König. Er wurde verhört, verhaftet, gequält. Kaum jemand blieb bei ihm im Angesicht dieser Gefahr. Angst beherrschte alle.

Viele hatten erwartet, dass der Jesus als der Messias siegreich über die Mächtigen triumphieren würde. Doch der ging einen anderen Weg. Nicht den der Macht und Stärke, sondern der Liebe, die durch das Leid geht, ja selbst den Tod auf sich nimmt, um im Zeichen des Kreuzes zu zeigen:

Ich bin der, der für euch durch diese Tiefe von Schmerz und Sterben geht. Doch meine Liebe ist stärker als alles Leiden, alles Böse, alle Sünde.

In der Tiefe der Verzweiflung, wo Menschen Gott am meisten brauchten – dort will er in Jesus sein.

Auch für Jesus war das ein schwerer Weg.

Er war begleitet von Angst und inneren Ringen, was Gottes Wille ist. Er wusste um die bedrohliche Situation, aber nicht genau, was ihn zukommt.

Und wir spüren, wie nah uns das ist in unserem Leben, wenn wir aus unserer Sicherheit herausgerissen sind, wir uns in einer Lage widerfinden, die uns Angst macht und unsicher. Warum Gott dieser Virus, der sich weltweit ausbreitet? Was bedeutet es für uns? Wie gefährlich ist er, wann kann man ihn besiegen? Ist meine Familie bedroht, Freunde, ich selbst? Sind Todeszahlen wie in Italien, Spanien und USA auch bei uns möglich?

Wir sehen hier eine Skulptur:

skulptur Palmsonntag

Ein kauernder Mensch, der das Gesicht voll Verzweiflung in seinen Händen verbirgt, weinend, erschöpft, entmutigt…

Es könnte ein Trauernder sein, ein Sohn oder eine Tochter, ein Arzt, der nicht mehr heilen konnte, ein Helfer, der keine Kraft mehr hat.

Wenn wir in dieser Karwoche auf den Jesus sehen, dann scheint dies Bild auch an ihn zu erinnern, als er im Garten Gethsemane am Fuße des Ölbergs in Jerusalem im Gebet gerungen hat:

Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe! Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkte ihn. Und er rang mit dem Tode und betete heftiger. Und sein Schweiß wurde wie Blutstropfen, die auf die Erde fielen. Lk 22,39

Die Evangelien ersparen uns die Schilderung der tiefen Verzweiflung Jesu kurz vor seinem Tod nicht. Jesus kennt auch die tiefsten und schlimmsten Momente des seelischen Zusammenbruchs, der Angst und Hilflosigkeit. Ja, das ist die letzte Konsequenz seines Menschseins und zugleich ein Ausdruck der tiefsten Verbundenheit Gottes mit uns.

Vieles geht uns momentan durch den Kopf, wenn wir die weltweite Dimension der Verbreitung des Virus betrachten. Niemand weiß, wie in den nächsten Wochen sich alles entwickelt – bei uns in Deutschland und den anderen Ländern. Experten können keine Antwort geben oder widersprechen sich, ändern ihre Meinung von heute auf morgen.

Und so verbreiten sich Unsicherheit und Furcht, auch bei uns, obwohl wir doch meinten weit weg zu sein, gibt es auch hier in Crimmitschau 37 Erkrankte, im Landkreis 520 (Stand 7.April 2020).

Die eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten und das Besuchsverbot in Krankenhäusern und Pflegeheimen bringen nicht nur Alleinsein, sondern auch das Gefühl der Einsamkeit.

Wohl zu keiner Passionszeit war uns der Blick auf das Leiden Jesu so nahe wie jetzt. Doch Jesus fordert uns auf etwas zu tun, wenn er zu seinen schlafenden Jüngern im Garten Gethsemane sagt: „Steht auf und betet, damit ihr nicht in Anfechtung fallt!“.

Das Gebet hilft, denn es weitet den Blick aus dem eigenen „Verkrümmtsein“ (wie bei der Skulptur auf dem Bild) auf Gott hin.

Wer zu ihm betet, erhebt sich und wird erhoben, richtet sich auf und bekommt neue Hoffnung.

Gott ist größer als die Ängste, das Leiden, die Einsamkeit. Der Unglaube wandelt sich im Gebet neu in Glauben. So wie der Vater in der biblischen Geschichte aus dem Markus-Evangelium, der Jesus entgegenruft:

***„Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ (Mk. 9,16)***.

Es ist wohl kein Zufall, dass dieser Vers uns gerade in diesem Jahr gegeben ist. In dem Ruf liegt ja beides: Zum einen der Glauben und das Vertrauen, dass Gott da ist, mich hört und sieht – zum anderen aber eben auch immer das Angefochtensein, der Zweifel, die Fragen.

Wir erleben in diesem Jahr eine ganz eigene Passionszeit, ohne die vertrauten Gottesdiensten und Kirchenmusiken, ohne Gemeinschaft und Kirchenraum. Das ist sehr schmerzlich. Wir erkennen, wie fragil und unsicher unsere Welt doch ist, wie schnell sich alles ändern kann.

„Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir;

doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“

Gott wird auch uns Antwort geben, wenn wir wie Jesus im Gebet danach fragen. Bei Lukas heißt es, ein Engel Gottes stärkte Jesus in seinem heftigen Ringen.

Im Beten erfuhr er so, dass Gott in allem der Stärkere ist. „In deine Hände befehle ich meinen Geist.“ betet er am Kreuz aus Psalm 91.

Auch uns kann das Gebet in allem Angefochtensein die Nähe Gottes als die Quelle aller Kraft für das Kommende zeigen, denn Gott möchte uns aufrichten in dieser schwierigen Zeit:

„Ich bin bei euch alle Tage.“ aus Mt 28 gibt uns die Zusage, Christus ist an unserer Seite!

Gehen wir bewusst in den Katrfreitag mit Blick auf das Kreuz und im Vertrauen auf Gott.

Amen.

                  **Ihr Pfr. F. Suárez**

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.